Endlich 50 mit Vogel

So lange ist es noch nicht her, als ein guter Freund mich bat, zu seiner Geburtstagsparty einen „Satz“ mitzubringen. Richtig, einen Satz. Was sollte das jetzt? Einen gehaltvollen Roten aufzutreiben, wäre mir weniger schwer gefallen. Und wieso war das Motto „endlich“ 50. Also erinnerte ich mich an meinen Fünfzigsten und schrieb:

„Als ich am 15. März 1996 dann »endlich« 50 wurde, hatte dieses »endlich« so wenig Bedeutung wie beim 21. (was damals Volljährigkeit bedeutete) wie beim 42. (was als Start der Midlife-Crisis galt und gilt) und wie beim 64. (was mein nächster Geburtstag sein wird). Genau an diesem 50. fand ich einen satz des später geadelten deutschen Schriftstellers Paul Heyse, das mich seinerzeit sofort ansprach, denn so fühlte ich an dem Tag, so fühlte ich die Jahre vorher und so fühle ich heute und wohl auch zukünftig. Deswegen sei es hier aufgeführt:

Das Alter, das man haben möchte, verdirbt das Alter, das man hat.

Oder mit meinen Worten: Mein Alter ist mir von Herzen gleichgültig (gleichgültig im besten Wortsinne.) Albert Schweitzer hatte mal gesagt: Mit 20 hat jeder das Gesicht, das Gott ihm gegeben hat, mit 40 das Gesicht, das ihm das Leben gegeben hat, und mit 60 das Gesicht, das er verdient. – Ich bin ganz zufrieden und in Deinem Gesicht, lieber Georg, zeichnet sich das auch schon ab.“

So weit, so gut und so überflüssig, darüber auch nur ein Wort zu verlieren.

Jetzt aber die Überraschung! Vor einigen Tagen bekam ich einen Brief von diesem Freund. Im Briefkopf graphisch gestaltet „Endlich 50 mit Vogel“:

Lieber Hanswerner, 

den oben genannten Satz hast du mir vor etwa drei Jahren aufgeschrieben. Erinnerst du dich noch wie ich auf meiner Geburtstagsfeier und danach Sätze zum Thema „Endlich 50“ gesammelt habe, mit der Idee daraus etwas zu machen…vielleicht ein Buch?

Nun, es ist ein Buch geworden: Es ist fertig geschrieben, ein Verlag ist gefunden und es wird im November erscheinen.

Ein Auszug aus meinem Vorwort

… Einige Wochen vor meinem neunundvierzigsten Geburtstag war ich mit dem Rad auf dem Weg nach Hause, als sich in meinem Kopf etwa folgendes abspielte: … bald werde ich ein halbes Jahrhundert alt sein – eigentlich geht es mir ganz gut damit – mir geht es sowieso recht gut – schön, dass sich so einiges in meinem Leben erledigt hat – Geschichten hab ich ja genug erlebt – „Endlich 50“ könnte ein Buch heißen … und so weiter.

Schließlich kam ich Zuhause an und mit mir die folgende Idee:

Auf meinem neunundvierzigsten Geburtstag sammle ich Sätze zum Thema „Endlich 50“, und schreibe daraus ein Buch.

… So erhielt ich im Laufe der nächsten Monate neununddreißig Sätze…

Etwa ein halbes Jahr später setzte ich mich hin, zog den ersten Satz wahllos aus einem Briefumschlag und … begann zu schreiben, und plötzlich … lag ein toter Vogel vor meiner Wohnungstür und ich wusste nicht ob er Tot ist oder nur so tut … und eine Geschichte entstand die zu diesem Buch wurde. Das meiste in diesem Buch ist meiner Phantasie entsprungen. Ein anderer Teil ist mein persönlich erlebtes Leben. Die Anregungen dazu, und der Verlauf der Geschichte sind geprägt durch die gesammelten Sätze und deren zufällige Reihenfolge. Sobald ich einen Satz in die Geschichte eingeflochten hatte, zog ich den Nächsten, bis alle Sätze verarbeitet waren, und die Geschichte ein Ende fand.

Spannend für mich war immer wieder, wie sich ein Satz, zu dem ich oft erst keinen Bezug fand, plötzlich in die Geschichte einfügte und einen Sinn oder Unsinn bekam, oder umgekehrt die Geschichte durch den gezogenen Satz fortgeführt wurde.

Es hat Spaß gemacht, diese Geschichten entstehen zu lassen, und vielleicht habe ich dich neugierig gemacht…

Im November wird es eine Lesung geben, zu der du noch eine genauere Einladung bekommen wirst. Es würde mich sehr freuen dich dann dort wieder zu sehen.

Bis dahin grüße ich dich ganz herzlich.

 

Warum ich das hier veröffentliche?

Weil ich den Georg mag. Weil ich dem Buch viel Glück wünsche. Und weil wir von individuatio ahnen, dass es sicher ein sehr launiges Buch ist. Schließlich kennen wir Georg Lorenz schon lange aus unserem Kurs Kreatives Schreiben.

 

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