Individuation und Leiden | individuatio

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Individuation und Leiden

In Wandeln statt Ändern habe ich mit einem Augenzwinkern bemerkt, wie sehr wir alten auch schmerzhaften Mustern treu sind. Warum nun aber hat Leiden eine Beziehung zu Individuation.

Erinnern wir uns kurz: „Individuation bedeutet: Zum Einzelwesen werden, und, sofern wir unter Individualität unsere innerste, letzte und unvergleichbare Einzigartigkeit verstehen, zu eigenem Selbst werden. Man könnte “Individuation” darum auch als “Verselbstung” oder als “Selbstverwirklichung” übersetzten.“ (Carl Gustav Jung)

Der Mensch ist häufig  in inneren Gegensätzen und innerer Zerrissenheit gefangen, solange er sich nicht bewusst ist. Die Projektion des Leids, das ihm widerfährt, führt in einen Zustand permanenter Verweigerung: Ich bin nicht schuld, ich muss nichts ändern, der andere, die Umstände werfen mir immer wieder Knüppel zwischen die Beine.

Die Grundfragen des Menschen werden so nicht gelöst. Aber in der Rücknahme der Projektion mag eine Antwort gelingen, eine Antwort auf : Wer bin ich? Was ist der Sinn meines Daseins? Warum leide ich? Was bedeutet dieses Leid? Welchen Weg soll ich einschlagen? Solche Fragen zum Dasein lassen sich aus dem annähernden Verständnis der psychischen und geistigen Wirklichkeit des Menschen ergründen. Der archetypische Weg der Heldenreise entspricht der Entdeckungsreise nach innen. Das Unbewusste ein Stück zu kartographieren ist der Mühe wert. Schritte auf dem Individuationsweg sind:

Jeder, der eine solche Reise wagt, wird Antworten auf die Grundfragen des Daseins erfahren. Wer die Anstrengungen der Selbsterforschung auf sich nimmt, der nähert sich der eigenem Finalität an, erfährt am „Ziel” unter anderem auch die psychisch-geistige Freiheit und die eigene Erfüllung.

“Mensch, Individuum und Subjekt” (Vorankündigung)

Ob jemand dazu einer ontologischen, einer willensmetaphysischen oder einer gesellschaftskritischen Auffassung der Individuation Rechnung trägt, soll in einer künftigen Seminarreihe untersucht werden. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, was für eine Rolle diese oben skizzierte Ausdifferenzierung für das Verständnis des Leidens spielt.

Hanswerner Herber