Godzilla | individuatio

individuatio -

Sie befinden sich hier: http://www.individuatio.de/godzilla/

Godzilla

War ich 10 oder 11 Jahre alt, als ich Godzilla erstmals im Kino sah? Unerlaubt natürlich. Schwarz-weiß, düster, unverständlich, Angst und Lust gleichermaßen.

Angstlust.

Michael Balint – das weiß ich heute – prägte diesen Begriff aus der Tiefenpsychologie: „Aufgeben und Wiedererlangen von Sicherheit“. Verwurzelt sei das im Trauma frühkindlicher Trennungserlebnisse. „Die Mischung von Furcht, Wonne und Hoffnung angesichts einer äußeren Gefahr ist das Grundelement aller Angstlust“ (Balint, Angstlust und Regression).  Um die Spannung auszuhalten bedarf es allerdings einer entsprechenden seelischen Distanz.

Habe ich diese seelische Distanz, wenn ich mir die Bilder aus Japan anschaue? Oder schiebe ich da etwas ganz weit weg, um für den nächsten Augenblick, den morgigen Tag wieder zu „funktionieren“.

„Angstlust entstehe durch das Bewusstsein einer als real empfundenen äußeren Gefahr, der sich ein Individuum willentlich aussetzt in der Hoffnung, die Gefahr und die damit verbundene Furcht bewältigen zu können und danach wieder sichere Geborgenheit zu erfahren,“ lese ich bei Wikipedia.

Wie geborgen fühlten sich die Japaner nach „Little Boy“ und „Fat Man“? Wie arrangieren sich Menschen, die das Grauen der Atomschläge im eigenen Land erlebt haben mit der Wissenschafts- und Technik-Gläubigkeit der nachfolgenden Jahre – bis heute? Der Professor, der im Film das Monstrum zur Strecke bringt, sinniert, dass der Menschheit noch schlimmere Katastrophen als der Godzilla drohen, wenn sie weiterhin die Atomkraft missbraucht.

Wie geborgen fühle ich mich, wenn ich mich der gängigen Informationspolitik unserer mediendemokratisch geprägten Politiker ausgesetzt fühle?  „Die AKW sind sicher.“ Dann kommen die Bilder aus Japan: sie seien so suggestiv, dagegen können man keine Politik machen (Merkel). Zumindest drei Monate nicht. Die Verdummungstaktik ist noch monströser als Godzilla.

Apropos Monstrum!

Das Wort leitet sich ab von lateinisch monere : also mahnen, ermahnen, auf etwas hinweisen. Aber wer hört schon auf Ermahnungen? Da bedarf es des Monsters, dass die Hybris korrigiert, dass das überhebliche Handeln ausgleicht, dass die Missachtung der inhärenten Gesetze sichtbar macht.

„Die Hybris, die uns versuchen läßt, das Himmelreich auf Erden zu verwirklichen, verführt uns dazu, unsere gute Erde in eine Hölle zu verwandeln.“ (Karl Popper)