„…irgendwo nirgendwo…“ | individuatio

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„…irgendwo nirgendwo…“

Ort code-x, Internet und Marketing, Karl-Schurz-Straße 35, 33100 Paderborn

Dauer 10.2. bis 23.06.2018

Öffnungszeiten montags und mittwochs, 13:00 bis 17:00 und nach Vereinbarung 052 51/39 05 90 (Telefon individuatio)

Vernissage am 10. Februar 2018

Einleitende Worte Sophia Herber M.A., Kunsthistorikerin (Köln)

Statement

Im freien Experiment begibt sich das Ich, losgelöst von Zeit und Raum, auf den Weg in die eigene Terra ingognita, den Bereich des Selbst im Fluss. Künstlerisches Explorieren als ungerichtete Suche im zunächst unbestimmten Raum, evoziert durch unverhoffte Entdeckungen des Zufalls, Materials und der Selbstprovokation, legen ungeahnte utopische Topografien des Hier- als auch Daseins frei. Orte der Erinnerung werden konkret, finden in der zeitlichen Ausrichtung zwischen dem Hier und Dort, zwischen Aufbruch und Ankunft, zwischen Nirgendwo und Irgendwann, einen Ort im Ich. Jedes Bild beherbergt Innenwelten und beschreibt meine ungewissen Reisen in ein ausgefülltes Nirgendwo, in dem das Ich seinen Platz gefunden und ein Höchstmaß an künstlerischer Freiheit freigesetzt hat.

Bilder der Ausstellung

 

Gedanken zum Thema

Irgendwie ist letztlich jedes Irgendwann ein Irgendwo. Bleibt die Frage nach dem Nirgendwo.
Der Mensch besitzt kein Organ für die Zeitwahrnehmung. Zeit wird in der Erinnerung verortet. Jeder ist irgendwo das erste Mal in ein Klassenzimmer getreten, das erste Mal vom 3-m-Brett gesprungen, das erste Mal geküsst worden. Die Qualität des Ortes bestimmt den Raum, den Zeitraum, in der die gefühlte Zeit sich dehnt oder schrumpft.

Was macht unser Zeitempfinden aus? In der Rückschau sind es unsere Erinnerungen. Während des Erlebens ist es die Aufmerksamkeit. Wenn ich mich in der Schlange im Supermarkt auf die Zeit konzentriere, scheint sie still zu stehen. In einer geistreich-fröhlichen Gesprächsrunde verfliegt sie gar. In der Meditation tut sich mitunter ein Nirgendwann auf. Liegt darin das Geheimnis des Nirgendwo? Die Verortung des Nirgendwo führt nirgendwohin. Erlaubt uns die Irgendwann-Irgendwo-Koinzidenz auch einen Nirgendwann-Nirgendwo-Zusammenhang herzustellen?

Beim Malen wird der Ort dann vergegenständlicht, er wird konkret. Bleibe ich dabei im Kopf, entsteht eine Spannung, allerdings nur in mir und nicht im Bild; dieses bleibt irgendwie leer. Es entsteht eine äußere wie innere Dystopie. Kein glücklicher Ort!

Vielseitige experimentelle künstlerische Praktiken öffnen in ihrer Abstraktion Zeit-Räume der Kindheit, in denen die Zeit im Fluge vorbeizieht. Identitätsbestimmende Erinnerungen werden in diesen Räumen platziert und erzählen Geschichten eines konkret gewordenen topophilen Raumes. Im absichtslosen, informellen Experimentieren, entsteht im Prozess des Aufbauens und Zerstörens Utopia: Das Nirgendwo auf der Leinwand ist das Fehlen des Wann, die Präsenz der Zeitlosigkeit – ein glückseliger Ort!

„Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut“

Perikles, Athen